Wer sich mit Microsoft 365 Copilot beschäftigt, wird früher oder später auf das Thema Agenten stoßen. Und wer dann verstehen will was das kostet, wird schnell merken: Das Lizenzmodell von Microsoft ist nicht einfach zu durchschauen.
Wie bin ich darauf gekommen diesen Artikel zu schreiben? Ich habe versucht eine einfache Anwendung zu erstellen. Und bei der Erstellung dieser Anwendung – ganz am Ende sollte ein Copilot Studio Agent die letzten Arbeiten übernehmen. Viele Erkenntnisse aus diesem Prozess ist in diesem Artikel wieder gegeben.
Dieser Artikel erklärt sachlich was bei Copilot Agenten gratis ist, was Credits kostet, und worauf man bei der Kaufentscheidung achten sollte, um jedem der sich diesem Thema nähert einen ersten Überblick zu verschaffen.
Inhaltsverzeichnis
Was ist ein Copilot Agent?
Ein Copilot Agent ist ein KI-Assistent der auf bestimmte Aufgaben oder Wissensbereiche spezialisiert ist. Er kann auf SharePoint-Listen, Dokumente oder Teams-Kanäle zugreifen und Fragen dazu beantworten, Zusammenfassungen erstellen oder Aufgaben ableiten.
Agenten kommen an den unterschiedlichsten Stellen zum Einsatz. Es gibt z.B. vorgefertigte Agenten direkt in der Copilot App. Andere, kompliziertere Agenten, werden in Microsoft Copilot Studio gebaut. Darüber hinaus gibt es noch SharePoint Online Agenten und und und. Allein hier fällt es schon schwer die Übersicht zu behalten. Doch dem sei noch nicht genug. Denn zusätzlich dazu stellt sich eine weitere Frage.
Welcher Agent ist in meinem Copilot Premium Abo mit dabei?
Das Versprechen: Agenten sind inbegriffen
Microsoft kommuniziert, dass Copilot Agenten für Nutzer mit einer Microsoft 365 Copilot-Lizenz enthalten sind. Das stimmt, aber nur unter bestimmten Bedingungen.
Seit September 2025 gilt: Agenten die intern für Mitarbeiter mit Microsoft 365 Copilot-Lizenz laufen, verbrauchen keine zusätzlichen Credits, wenn sie auf Standard-Modellen basieren und die Fair-Use-Limits einhalten.
Klingt gut. Aber was bedeutet das in der Praxis?
Was wirklich Credits kostet
Das Lizenzmodell unterscheidet mehrere Ebenen. Je nach Modell, Nutzertyp und Art der Aufgabe entstehen unterschiedliche Kosten.
| Szenario | Kosten | Bedingung |
| Standard-Agent, interner Nutzer mit M365 Copilot-Lizenz | Kostenlos | GPT-4o Modell, Fair-Use-Limit eingehalten |
| Reasoning-Agent (GPT-5.x), interner Nutzer | Credits | Auch mit M365 Copilot-Lizenz kostenpflichtig |
| Externer Nutzer (Kunde, Partner) | Credits | Immer, unabhängig vom Modell |
| Standard-Agent über Fair-Use-Limit | Credits | Microsoft definiert Fair-Use-Limits nicht klar |
Was sind Copilot Credits?
Copilot Credits sind die Verbrauchseinheit für kostenpflichtige Agent-Interaktionen. Microsoft rechnet nach dem Pay-as-you-go-Prinzip ab.
- Preis: $0.01 pro Credit (Microsoft Listenpreis Juli 2026)
- Prepaid-Option: $200 für 25.000 Credits pro Monat
- Die Anzahl verbrauchter Credits hängt vom Modell, der Aufgabenkomplexität und der Anzahl der Wissensquellen ab
Was viele überrascht: Eine einzelne komplexe Agent-Interaktion kann weit mehr als einen Credit verbrauchen. Je nach Modell und Aufgabe sind 100 bis über 1.000 Credits pro Interaktion realistisch.
Light, Medium, Heavy: Drei Komplexitätsstufen
Für die Kalkulation lassen sich Agent-Interaktionen grob in drei Stufen einteilen.
| Tier | Credits (Standard) | Credits (Reasoning) | Typische Aufgabe |
| Light | ~100 Credits | ~250 Credits | Einfache Abfrage, direkte Antwort |
| Medium | ~350 Credits | ~875 Credits | Zusammenfassung, mehrere Quellen |
| Heavy | ~700 Credits | ~1.750 Credits | Analyse, Statusbericht, Aktionen |
Diese Werte sind Richtwerte. Der tatsächliche Verbrauch hängt von der Anzahl der Wissensquellen, der Kontext-Länge und dem gewählten Modell ab und konnte auch nach intensiver Recherche nicht abschließen evaluiert werden.
Das Problem mit den Fair-Use-Limits
Microsoft beschreibt Standard-Agenten für interne M365-Copilot-Nutzer als kostenlos, solange Fair-Use-Limits eingehalten werden. Was diese Limits konkret bedeuten, wird in der offiziellen Dokumentation nicht klar definiert.
Für die Praxis bedeutet das: Wer einen Agenten baut der von vielen Nutzern intensiv genutzt wird, kann nicht sicher kalkulieren ab wann Kosten entstehen. Microsoft behält sich zudem vor, diese Limits jederzeit zu ändern.
Ein Praxisbeispiel: Der BNI Empfehlungsagent
Als konkretes Beispiel aus dem oben schon erwähnten Projekt: Basis der Funktion ist ein MS Teams Team. Zur Datenerfassung wurde ein MS Forms Formular erstellt und dem Kanal hinzugefügt. Jeder neue Eintrag löst einen PowerAutomate Flow aus der die Formulareinträge in eine SharePoint Online Liste überträgt. Ein Agent, der auf eben dieser SharePoint-Liste basiert, soll Fragen über Mitglieder meines Netzwerk-Chapters beantworten und bei der Empfehlung von Mitgliedern helfen.
Der Agent wurde von mir (versehentlich) mit GPT-5.6 Reasoning als Modell gebaut und hat Zugriff auf drei Wissensquellen. Das Ergebnis: Jede Interaktion verbraucht Credits, auch wenn alle Nutzer eine Microsoft 365 Copilot-Lizenz haben. Ohne einen entsprechenden Abrechnungsplan im Hintergrund, der die Verwendung und Bezahlung von Credits regelt, blieb der Agent ohne Funktion.
Die Ursache ist klar: Reasoning-Modelle sind explizit nicht in der kostenlosen Nutzung enthalten. Das steht in der Microsoft-Dokumentation, aber nicht im Marketing.
Was das für die Kaufentscheidung bedeutet
Wer also Copilot Agenten plant, sollte vor der Entscheidung folgende Fragen klären.
- Welches Modell soll der Agent verwenden? Standard (GPT-4o) ist kostenlos für interne Nutzer. Reasoning (GPT-5.x) kostet Credits.
- Wer nutzt den Agenten? Nur interne Mitarbeiter mit M365 Copilot-Lizenz? Oder auch externe Nutzer wie Kunden oder Partner?
- Wie komplex sind die Aufgaben? Einfache Abfragen (Light) kosten wenig. Komplexe Analysen (Heavy) verbrauchen deutlich mehr Credits.
- Wie viele Interaktionen sind realistisch? 10 Nutzer mit je 30 Heavy-Interaktionen pro Monat auf einem Reasoning-Agent ergeben schnell 500.000+ Credits.
Fazit: Keiner weiß nix genaues
Microsoft 365 Copilot Agenten bieten echten Mehrwert. Die Möglichkeit einen spezialisierten Assistenten für ein Projekt, eine Abteilung oder einen Prozess zu bauen, ist ein konkreter Fortschritt in der Produktivität.
Jedoch ist das Lizenzmodell komplex. Die Grenze zwischen kostenlos und kostenpflichtig hängt vom Modell, dem Nutzertyp und der Aufgabenkomplexität ab. Das bedeutet also bevor die Nutzung eines Agenten für alle Mitarbeiter im Unternehmen frei geschaltet wird, ist eine umfangreiche Evaluierung im Vorfeld wichtig.
Die Empfehlung: Vor dem Aufbau eines Agenten die drei Schlüsselfragen klären: Welches Modell, welche Nutzer, welche Komplexität. Dann testen und Anwendungsfälle ausprobieren und die damit verbundenen Credit Kosten dokumentieren. Erst danach lässt sich dann auf Basis dieser Werte ein Kostenaufwand bei GoLive abschätzen.
Sollten Sie Fragen, Anregungen oder Wünsche haben, dann wenden Sie sich bitte an uns. Gerne helfen wir Ihnen weiter.
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